MBCT

Was ist MBCT ?

 

MBCT (mindfulness based cognitive therapy) ist MBSR sehr ähnlich, richtet sich aber primär an Menschen, die schon einmal Erfahrungen z.B. mit depressiven Episoden, Burnout, Ängsten oder ähnlichen leidvollen Symptomen gemacht haben. Es ist ein 8-wöchiges Achtsamkeitstraining, das aus MBSR entwickelt wurde, um Menschen zu helfen, mit grüblerischen Gedanken und mit schwierigen Stimmungen besser umgehen zu lernen. MBCT wurde in den 90er Jahren von den weltweit anerkannten Psychotherapieforschern und Kognitiven Verhaltenstherapeuten Mark Williams, Zindel Segal und John Teasadale entwickelt. Es ist zu einem großen Teil (was das Achtsamkeitstraining betrifft) identisch mit MBSR – Sie bekommen z.B. die gleichen Übungs-CDs. MBCT ist, jedenfalls so, wie ich es vermittle, keine Psychotherapie und ersetzt sie auch nicht.  Der wesentliche Unterschied zu MBSR besteht darin, dass MBCT psychoedukative Elemente zum Thema grüblerische Gedanken enthält, dass es kognitive Elemente in Bezug auf den Umgang mit selbstschwächenden Gedanken enthält und dass bei MBCT in der Schulung der Achtsamkeit besonderer Wert auf die Wechselwirkungen von Gedanken, Stimmungen und Körperempfindungen gelegt wird.

Depression, Burnout, Angst, Grübeln & Co

 

Laut einer Studie des Robert Koch Instituts weisen „ 33,3 Prozent der Bevölkerung aufs Jahr gerechnet eine oder mehrere klinisch bedeutsame psychische Störungen auf.“ ( Zitat Ärzteblatt Feb. 2013) Männer und Frauen sind unter dem Strich fast gleich betroffen, wenn sich auch die Arten der Störungen im Einzelfall unterschiedlich verteilen. Wenn es Ihnen also irgendwann einmal richtig schlecht ging, sind Sie in Deutschland in guter Gesellschaft: jedes Jahr geht es ca. 26,8 Millionen Menschen genauso. Willkommen im Club!

 

Das Bundesgesundheitsministerium schätzt, dass in Deutschland derzeit etwa vier Millionen Menschen allein von der Diagnose Depression betroffen sind und über 10 Millionen Menschen bis zum 65. Lebensjahr eine Depression erleben. Die sogenannten Angststörungen treten sogar noch häufiger auf (fast doppelt so viel).  Und die Dunkelziffer ist wahrscheinlich sehr hoch, da viele dieser Symptome nicht erkannt werden oder weil die betroffenen Menschen sich scheuen, nach Hilfe zu suchen.

 

Dabei können viele dieser Symptome in der Regel gut behandelt werden. Beispiel Depression: Betroffene können sich mit Hilfe von Medikamenten, Psychotherapie, physikalischer und naturheilkundlicher Behandlung, gesundem Lebensstil (oder Kombinationen davon) vollständig oder weitgehend erholen. Allerdings ist die Rückfallquote hoch: Wer einmal eine Depression erlebt hat, hat (statistisch gesehen) ein höheres Risiko, in seinem Leben in eine weitere depressive Episode zu geraten, obwohl er oder sie vollständig genesen ist. Und mit jeder weiteren depressiven Episode steigt das (statistische) Rückfallrisiko.

 

Warum tappen wir so oft in die gleiche Falle?

 

Neuere Forschungen zeigen, dass z.B. während einer Krise (z.B. einer depressiven Episode) schwierige Gefühle (z.B. Hoffnungslosigkeit, Verbitterung, Selbstverachtung, Schuld etc.) zusammen mit selbstschwächenden Gedankenmustern (z.B. "ich bin ein Versager", "mit mir stimmt etwas nicht", "alles was ich anfasse geht schief", "ich bin zu dick, du dünn, zu schwach, zu dumm etc. etc...") und entsprechenden Körperzuständen (z.B. Trägheit und Erschöpfung oder auch starke Anspannung) auftreten. Nach dem Abklingen der Symptome verschwinden diese Gefühle wie auch die entsprechenden Gedankenmuster und Körperzustände – der Mensch ist wieder vollständig gesund, im besten Fall fit, locker und glücklich.

 

Allerdings wurde während der leidvollen Phase eine Verknüpfung zwischen den Gefühlen und den selbstschwächenden Gedankenmustern gebildet. Diese Verknüpfung kann dazu führen, dass selbst eine relativ harmlose schlechte Laune, die der Alltag hin und wieder produziert, diese selbstschädigenden Gedankenmuster reaktiviert, obwohl diese vielleicht mit der aktuellen Situation wenig (meistens gar nichts) zu tun haben. Ich beginne dann z.B. darüber nachzugrübeln, was jetzt schief gelaufen ist oder was ich schon wieder falsch gemacht habe, oder was mit mir nicht stimmt, dass mir das passiert ist. Dieses Grübeln führt so gut wie nie zu einer Lösung oder zu einer realistischen Sichtweise der Situation, sondern setzt eine Spirale nach unten in Gang. Die selbstschwächenden Gedankenmuster werden immer penetranter und man endet schlimmstenfalls wieder in einer deressiven Stimmung oder Panikattacke.

 

Es ist daher außerordentlich hilfreich, diese grüblerischen Gedankenspiralen, die schon bei relativ kleinen Anlässen aktiviert werden können, zu erkennen und zu lernen, ihnen nicht zu folgen und nicht in ihnen unterzugehen. Dazu ist es nötig, eine neue Einstellung den eigenen Gedanken und Gefühlen gegenüber zu entwickeln. Genau das geschieht, wenn man regelmäßig Achtsamkeit praktiziert.

Wie kann Achtsamkeit helfen?

 

Im MBCT-Achtsamkeitstraining wird besonderer Wert auf die Beobachtung des Gedankenprozesses, der emotionalen und körperlichen Befindlichkeit sowie verschiedenster Alltagssituationen gelegt. Damit kultivieren wir u.a. eine Methode, schwierige Stimmungen und die damit verknüpften Gedankenschleifen schnell als das zu erkennen, was sie sind: schnell wechselnde Erfahrungen, die kommen und auch wieder gehen – Erfahrungen, vor denen wir keine Angst haben müssen, die wir nicht bekämpfen müssen, denen wir aber auch nicht folgen müssen. Mit Achtsamkeit können wir verhindern, dass eine leichte Verstimmung außer Kontrolle gerät. Wir gewinnen eine gesunde Distanz zu den eigenen Gedanken und Gefühlen. Wir lernen, mit unserem konkreten Körper und unserer Lebendigkeit in Kontakt zu bleiben, anstatt uns durch grüblerische Gedanken im Abstrakten zu verlieren.Unterstützt werden diese Aspekte dadurch, dass Elemente der kognitiven Verhaltenstherapie in das Programm einfließen.

 

Darüber hinaus bewirkt das Training der Achtsamkeit, dass wir im Alltag und Beruf besser mit Stress umgehen lernen und auch in schwierigen Situationen den Weg zu unserer inneren Ruhe und Gelassenheit finden können. Wir üben, nicht nur die Dinge wahrzunehmen, die schwierig sind, sondern auch die, die in Ordnung sind. Durch das Gewahrsein der eigenen Lebendigkeit von Moment zu Moment haben wir die Chance, unser Leben auch im Angesicht von schwierigen Situationen harmonischer und erfüllter zu gestalten. 

Hinweise zu wissenschaftlicher Fachliteratur über MBCT finden Sie bei Literatur/Links/Forschung

Wie läuft ein MBCT-Kurs ab?

 

 

 

  • Individuelles telefonisches Vorgespräch vor Beginn des Kurses (das kostenlose Vorgespräch ist Voraussetzung für die Teilnahme).
  • 9 Gruppentreffen (Gruppengröße: ca. 6-14), jeweils 3 Stunden (8 Treffen über 8 Wochen plus 1 Nachtreffen ca. 2 Monate nach Kursende).
  • Zusätzlicher Intensiv-Tag (Übungstag) von 9.00–16.00 Uhr (an den Übungstagen können auch ehemalige KursteilnehmerInnen teilnehmen)
  • Systematische Anleitungen von Achtsamkeitsübungen im Sitzen, Liegen und Gehen sowie in Alltagssituationen.
  • Anleitung von achtsamen Körperübungen (Yoga / Embodiment), die den individuellen Fähigkeiten der Teilnehmer angepasst werden.
  • Vorträge und Gruppendiskussionen zu jeweiligen Schwerpunktthemen (z.B. Umgang mit grüblerischen Gedanken / Wechselwirkung von Stimmungen, Gedanken und Körperprozessen / Stimmung und Wahrnehmungsveränderungen / Selbstakzeptanz …).
  • Austausch darüber, wie die Übungspraxis zu Hause und im Alltag läuft.
  • Arbeitsmaterialien wie z.B. 4 Übungs-CDs und ein ca. 90-seitiges Begleitheft.
  • Passwort für Downloadbereich (alle Übungen können im MP3-Format heruntergeladen werden)

Für wen ist MBCT geeignet ?

 

 

Ursprünglich richtet sich MBCT an Menschen, die bereits Erfahrungen mit depressiven Episoden haben, akut aber nicht in einer schweren Depression sind und ihr Rückfallrisiko senken wollen. Es wurde zur Rückfallprophylaxe für Menschen mit Depressionserfahrung konzipiert, das war die eigentliche Zielgruppe.

 

Meiner Erfahrung nach kann MBCT aber auch sehr hilfreich sein für Menschen, die ein Burnout durchgemacht haben oder die in irgendeiner Weise zum Grübeln neigen und dadurch in schwierige Zustände geraten (Angst / Selbstzweifel / Selbstverurteilung / chronische Sorgen etc.). Im Grunde genommen ist MBCT wie MBSR für fast jeden Menschen geeignet. Allerdings beschränke ich für MBCT die Zielgruppe auf Menschen, die in der einen oder anderen Weise mal in den inneren Abgrund geschaut haben, aber akut nicht in einer schweren Krise sind. Es ist also weder ein Fortbildungskurs für Therapeuten (es sei denn, Sie sind Therapeut/in und zugleich selbst betroffen), noch ein Ersatz für eine Therapie in einer akuten schweren Krise.

Wenn Sie einen MBCT-Kurs machen möchten, sollten Sie psychisch so stabil sein, dass Sie die Energie haben, um die Übungen regelmäßig machen zu können (das gilt für alle meine Kurse). Sie müssen also nicht das blühende Glück verkörpern (dürfen Sie aber :-)), sollten aber wie gesagt nicht in einer schweren Krise stecken -- dann bräuchten Sie vorher eine andere Hilfe. Wenn es Ihnen körperlich nicht gut geht ist das meistens kein Problem, dann werde ich Ihnen viele Tips geben, wie sie die Übungen z.B. im Liegen machen können oder wie Sie die Übungen an Ihre Situation anpassen können.

 

Übrigens wurde in meinen bisherigen MBCT-Kursen entgegen den Befürchtungen von manchen Teilnehmern oft und viel gelacht, bei gleichzeitigem „Tiefgang“. Ich persönlich liebe diese Kombination sehr, daher machen mir die MBCT-Kurse viel Freude.

 

Interesse?

 

Hier finden Sie die Kurstermine der nächsten Kurse und unten können Sie sich per E-Mail unverbindlich anmelden, ich melde mich dann bei Ihnen. Wenn Sie noch Fragen haben, rufen Sie mich gerne an: 033200-52652